Rezension: Asset Deck und NPC Deck

Neues Jahr, neue Decks…oder so ähnlich. Zwei weitere Kartensets ergänzen seit einigen Tagen die englische Produktpalette zu Numenera. Ich habe sie mir mal im Detail angeschaut und einem kleinen Praxistest unterzogen. Lest hier, ob mir die Spielhilfen gefallen haben.

Die beiden Decks, um die es geht, waren Teil des Worlds of the Cypher System Kickstarters, über den im vergangenen Jahr ein paar neue Settings für das Cypher System finanziert werden konnten. Das bedeutet auch, dass beide Kartensets settingneutral sind, sich also sowohl für Numenera, als auch für The Strange, sowie alle anderen Cypher Settings eignen. Beide Decks bestehe aus jeweils 100 Karten, es gibt sie im Shop von Monte Cook Games, sowie bei DriveThruRPG als PDF und in der gedruckten Fassung. Die PDFs kosten jeweils 7.99$, die Printausgabe 19.99$.

Asset Deck

asset-deck-tags-510x600Mit dem Asset-Deck versucht Monte Cook Games neue Wege zu gehen und führt einen neuen Regelmechanismus ein, der bisher in dieser Form nicht Teil des Cypher Systems war: Auf den 100 Karten des Decks werden Effekte beschrieben, die einem Charakter ein Asset (zu Deutsch Unterstützung), also eine Stufenerleichterung um 1 auf eine spezifische Kategorie von Aufgaben gibt. Ein paar Beispiele:

 

Learning from your Mistakes – You failed, but it was  a learning experience. The difficulty of any task that you failed at in the previous round is decreased by one step.

Night Owl  Sometimes you’re better at night. The difficulty of any task attempted at night is decreased by one step.

Mind of the Beast – You have an idea of how to better relate to an animal. The difficulty of any noncombat task involving animals is decreased by one step.

Was an diesen Beispielen deutlich wird: Das Asset-Deck ist ein seltsames Ding! Gedacht als neue Spielerressource wirft sein Einsatz ein paar Fragen auf: Zu welchen Gelegenheiten sollen die Karten ausgegeben werden? Sollen sie zufällig verteilt oder handverlesen für die Spielercharaktere vergeben werden? Sind sie einmal oder mehrfach einsetzbar? Wie erklärt sich in der Spielwelt, dass ein Charakter plötzlich über einen der Karteneffekte verfügt?

Auf keine dieser Fragen gibt es für mich befriedigende Antworten. Dass es nicht die eine „richtige“ Art gibt, das Deck einzusetzen, ist ja prinzipiell nicht verkehrt. In ein paar kurzen Einleitungssätzen wird erwähnt, dass man die Karten als Belohnung am Ende eines Abenteuers oder eine denkwürdigen Szene verteilen könnte. Ein paar Beispiele für Einsatzmöglichkeiten wären aber nicht schlecht gewesen. Verteilt man die Karten zufällig, wird bei einigen Karten ein Gemütszustand unterstellt, der vielleicht nicht zum Charakter passt. Andererseits ist es echt aufwändig, die 100 Karteneffekte den SCs zuzuordnen, um passende Effekte verteilen zu können. Ebenfalls Sinn machen könnte eine Verteilung nach Situationen: Die Karte „Learning from your Mistakes“ könnte im Anschluss an einen verpatzten Wurf verteilt werden, die Karte „Night Owl“ bei einer nächtlichen Schleichmission. Aber auch hier ist natürlich der Aufwand recht hoch und es stellt sich die Frage, wie man es schafft, die Karten einigermaßen fair unter die Spieler zu bringen.

Ich habe die Karten dann einfach mal zur letzten Numenera-Session mitgenommen und aus Zeitmangel die Zufallsvariante ausprobiert: Mit gar nicht mal schlechtem Resultat. Zwar fanden nicht alle Spieler die gezogenen Effekte passend, allerdings ergaben sich im Spielverlauf Szenen, in denen man durchaus erklären konnte, weshalb der Karteneffekt nun doch zu Charakter und Situation passte. Das hat mich überrascht.

Die Karten und ihre Effekte an sich gefallen mir irgendwie…nur weiß ich nicht, wie ich sie langfristig am Spieltisch nutzen werde. Vielleicht probiere ich ein paar Varianten durch und schreibe anschließend nochmal was dazu. Bis dahin hinterlässt dieses Produkt ein paar Fragezeichen und ein erstes positives Gefühl.

NPC Deck

npc-deck-tags-510x600Welcher SL kennt das Problem nicht: Die Abenteurer sind in einer Stadt unterwegs und ständig werden Bewohner nach dem Weg gefragt, es wird mit Händlern gefeilscht oder Zeugen befragt. Wer keine ellenlange Liste mit potentiellen Interaktionspartnern vorbereiten will und (wie ich) nicht sonderlich kreativ ist, kommt spätestens beim vierten NSC ins stammeln. Das NPC-Deck soll hier Abhilfe schaffen: Es werden auf 100 Karten 100 Nichtspielercharaktere vorgestellt. Jede Karte enthält einen kompletten NPCs mit folgenden Einträgen: Name, Aussehen, Auftreten, Persönlichkeit, Regel-Modifikationen, sowie besondere Merkmale (z.B. herausstechende Äußerlichkeiten) oder Besitztümer. Zu jedem Eintrag gibt es dann einzelne Stichworte. Illustrationen gibt es (leider) keine. Auch gibt es keine Info über die Hintergrundgeschichte des NSCs oder eine detaillierte Agenda, was aber wohl damit zu tun haben wird, dass das Deck keine tatsächlichen Personen beschreiben soll, sondern eher eine Inspirationsquelle für die Beschreibung von spontan auftretenden Charakteren im Spiel darstellen möchte. Es ist deshalb nicht vergleichbar mit den inzwischen zahlreich für andere Systeme erschienenen NSC-Sammlungen, die eine Reihe von Persönlichkeiten inkl. Spielwerten, Motivation und Hintergrundstory versammeln.

Das Deck ist natürlich maßgeblich für SLs gedacht und hilft dabei, spontan im Spiel oder bei der Vorbereitung NSCs aus dem Hut zu zaubern. Diese Funktion erfüllt es auch aus meiner Sicht gut. Selbst wenn man einzelne Aspekte auf der Karte unpassend findet, kann man diese ja weglassen bzw. mit einer weiteren Karte austauschen. Positiv fällt mir auf, dass jeder NSC mit zwei Namen ausgestattet ist: Neben einem sehr modernen, weltlichen Namen wird auch immer ein eher alternativer Name in Klammern angegeben, der eher in ein Fantasy-Setting passt. Für Numenera eignen sich die Fantasy-Namen auch deutlich besser.

Ein Wermutstropfen: Man muss des Englischen schon sehr mächtig sein, um die einzelnen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale übersetzen zu können. Das trübt den Nutzen des Decks zwar nicht so sehr, weil nicht jede Karte exotisches Vokabular aufweist, aber hin und wieder musste ich nachschlagen, was mir bei der Lektüre von englischen Rollenspielprodukten eigentlich seitenst passiert.

Das NPC-Deck ist für mich eine sinnvolle, wenn auch nicht bahnbrechend innovative Ergänzung, die durchaus ihren Nutzen am Spieltisch haben kann. Die Settingneutralität sorgt dafür, dass man das Deck auch völlig ohne Aufwand für andere Systeme nutzen kann. Im Gegensatz zum Asset-Deck lässt sich dieses Kartenset auch ganz gut als reines PDF nutzen, da die Karten in der Regel ja nicht ausgegeben werden. Wer also sparen möchte, kann mit der PDF-Version wenig falsch machen.

Fazit

Ich bin ein großer Fan der inzwischen zahlreichen Kartensets für Numenera und das Cypher System. Bei den beiden vorgestellten Sets handelt es sich um optionale Ergänzungen und Spielhilfen, die ich interessant und nützlich finde, aber keinesfalls notwendig für eine gelungene Spielrunde sind. Der Nutzen des Asset-Decks muss sich erst einmal noch beweisen und beim NPC-Deck reichen eventuell auch die PDF-Fassung oder diverse kostenlose Online-Generatoren für NSCs. Diese Aspekte machen beide Kartendecks eher zu optionalen Produkten, die man haben kann, aber definitiv nicht haben muss.

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5 Gedanken zu “Rezension: Asset Deck und NPC Deck

  1. Servus.
    Danke für die Rezensionen.
    Das NSC Deck ist natürlich eine gute Idee, gerade in Kombination mit Eine Prise Seltsames kann ich mir schon vorstellen, dass das hilfreich ist. Ich selber bereite auch immer nur die wichtigen NSCs vor – und gerade Namen und Haupteigenschaften nach Zufallsprinzip wären cool. Allerdings glaube ich, dass mir die 100 NSCs da sehr schnell zu wenig werden würden, wenn man die exzessiv für Zufallsbekanntschaften verwendet. Fürs Aussehen benutze ich meist Personen, die ich kenne – da beschreibe ich 1-2 Eigenheiten etwas übertrieben und habe konsistente NSCs…
    Das Asset Deck erscheint mir irgendwie seltsam… Die Idee ist wie du sagst an sich nicht übel – aber es widerstrebt mir irgendwie, permanente Vorteile einfach so aus der Hand zu geben (und ich verstehe nicht ganz, wie man nicht-permanente Vorteile storytechnisch erklären soll). Meine Spieler sind ohnehin schon kreativ genug was Vorteile ihrer NSCs angeht – wenn ich ihnen jetzt umsonst zusätzliche Fähigkeiten gebe, dann werden sie ziemlich mächtig.
    Außerdem ist es mir lieber, sie werden selbst kreativ und denken sich eine Charakteränderung/Eigenschaft/Fähigkeit aus, die sich aus einer überstandenen Situation in einem Abenteuer ergibt und die zu ihrem Charakter passt. Diese Möglichkeit war ja auch im Grundregelwerk angedacht – und die Spieler geben für solche permantenten Vorteile dann gerne auch mal 2 EP aus…
    Depp

    • Was ganz gut mit dem NSC-Deck geht: Einfach zwei oder drei Karten ziehen und die Eigenschaften mischen, dann gehen einem die Kombis nicht so schnell aus 🙂

      Beim Asset-Deck bin ich deiner Meinung. Permanent würde ich die Vorteile auf keinen Fall machen. Es wurde ja in nem Online-Artikel mal geschrieben, die Assets sollen auch eher zurückhaltenden / weniger spontanen Spielern die Möglichkeiten geben, Vorteile zu erhalten. Naja, keine Ahnung 😀 ich werde mal ein bisschen mit dem Deck herumprobieren und dann kommt es zum GM Intrusion-Deck, das wird auch eher seltener genutzt

  2. Hast Du eigentlich die Decks selber gedruckt, oder kann man die irgendwo in Deutschland in der Print-Version beziehen? Ich überlege es mit dem Selbstdruck, aber bei mir im Ort gibt es nur eine relativ teure Druckerei, für den Ausdruck auf Pappe.

    • Habe die als Teil der Kickstarter-Belohnungen bekommen. Seit MCG ein Lager in England hat, kann man sie für bezahlbare Versandkosten bestellen. Sonst geht’s eventuell als Print-on-Demand bei DriveThru?

      • Dann werde ich mal schauen, wie das mit den Versandkosten aus England aussieht. Das NPC-Deck finde ich reizvoll, das Asset-Deck finde ich ein wenig komisch.

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