Im Fokus: Modifikation von Spezialfähigkeiten

In der Reihe „Im Fokus“ möchte ich in regelmäßigen Abständen Teile des Cypher Systems genauer unter die Lupe nehmen. Heute widme ich meinen Artikel der optionalen Regel zum Anpassen und Verändern von Spezialfähigkeiten der Spielercharaktere, wie sie unter dem Titel „Modifying Abilities“ auf Seite 114 des englischen Grundregelbuchs zu Numenera beschrieben wird.

Grundsätzlich lernen Spielercharaktere (SCs) durch ihren Type und ihren Focus Spezialfähigkeiten (wie z.B. Onslaught beim Nano oder die Fähigkeit Hover des Focus „Controls Gravity“). Auf Tier 1 beherrschen neu erschaffene Charaktere meist zwei Spezialfähigkeiten durch ihren Type und eine durch ihren Focus. Im Vergleich zu einem D&D Magier oder Kleriker ist das natürlich nicht besonders viel Auswahl. Die oben erwähnte Regel zur Anpassung der Spezialfähigkeiten sorgt jedoch für etwas mehr Flexibilität und fördert gleichzeitig kreative Ideen der Spieler:

Die Regel besagt, dass ein Charakter mit einer Probe die Reichweite, den Wirkungsbereich oder andere Aspekte einer Spezialfähigkeit verändern kann. Dazu legt der Spielleiter die Schwierigkeit der Probe fest, nachdem der Spieler erklärt hat, inwieweit er seine Fähigkeit außerhalb der üblichen Parameter einsetzen will.

  • Recht kleine Veränderungen entsprechend dabei einer Schwierigkeit von 4 und decken Veränderungen ab, die im Großen und Ganzen im Rahmen der eigentlichen Wirkungsweise der Fähigkeit bleiben. So könnte z.B. ein Nano mit der Fähigkeit Ward das dadurch erschaffene Schutzschild für 10 Minuten auf einen anderen Verbündeten übertragen.
  • Komplexere Änderungen haben eine Schwierigkeit von 7 und umfassen weitreichendere Modifikationen. Soll aus einer nicht-offensiven eine offensive Fähigkeit gemacht werden, wäre das ein Beispiel für eine solch komplexe Veränderung. Ein Glaive mit dem Focus „Bears a Halo of Fire“ könnte seine Fähigkeit Flameshroud nutzen, um die Flammen auf seine Waffe übergehen zu lassen und mit dem Angriff Feuerschaden anzurichten.
  • Die letzte Kategorie umfasst alle nahezu unmöglich Veränderungen und hat die Schwierigkeit 10. Dazu gehören Veränderung, nach denen die Fähigkeit so gut wie nichts mehr mit der Ursprungsfähigkeit zu tun hat. Die Fähigkeit Onslaught dazu benutzen, um mit dem Gegner per Teleport die Positionen zu tauschen, wäre ein Beispiel.

Sehr entfernt erinnert mich die Regel an die „Arrays“ aus dem Superhelden-RPG Mutant & Masterminds, die mir auch immer sehr gut gefallen haben: Eine Fähigkeit kann auch auf andere Art und Weise eingesetzt werden, wenn dabei der Grundcharakter der Fähigkeit (z.B. dass Feuer produziert wird, etwas zum schweben gebracht wird, etc.) erhalten bleibt. Wie generell bei Numenera geht es weniger darum, möglichst akribisch alle Regeln einzuhalten, sondern darum, spannende Geschichten über fantastische Entdeckungen zu erleben. Aus diesem Grund würde ich Spieler eher ermutigen, kreative Einsatzmöglichkeiten für ihre Fähigkeiten zu finden, statt immer nur die gleichen Dinge damit zu tun. Wenn der Jack der Gruppe beim Erklimmen eines riesigen Baums aus Metall und Synth nach einer misslungenen Probe den Halt verliert und in die Tiefe stürzt, könnte der Nano den Sturz seines Freundes vielleicht mit seiner Spezialfähigkeit Hover aufhalten, bevor er auf die messerscharfen „Äste“ unter ihm stürzt. Normalerweise ließe sich Hover nur auf den Nano selbst anwenden. Die beschriebene optionale Regel und die Proben geben ein paar gute Rahmenbedingungen vor.

Ich würde die optionale Regel vor allem für Ausnahmesituationen nutzen und vielleicht sogar noch die Kosten für den Einsatz erhöhen. Der Regelmechanismus der drei Pools macht es sowieso sehr leicht, Spielerideen zuzulassen, aber mit Kosten zu versehen.

Interessant finde ich dabei vor allem die Vorstellung, die vielen doch recht kampflastigen Spezialfähigkeiten der Types und Foci außerhalb von Kämpfen einzusetzen. Die Flameshroud aus dem Focus „Bears a Halo of Fire“ kann ja möglicherweise aus nur auf einen einzelnen Körperteil angewandt werden, um damit ein Lagerfeuer zu entfachen. Die Fähigkeit Thrust des Glaive kann eingesetzt werden, um einen NSC durch eine Demonstration von Kampfkunst einzuschüchtern und die Schwierigkeit der Überzeugungs-Probe zu verringern.

Wie viele Regeln des Cypher Systems ist auch diese optionale Regel wenig konkret famuliert und bietet viel Auslegungsspielraum. Das bedeutet natürlich auch, dass man die Regel leicht ausnutzen kann. Wenn ihr Spieler habt, bei denen ihr als SL befürchtet, dass die Regeln zur Modifikation von Spezialfähigkeiten zu frei auslegebar sind, bietet sich ein Gespräch über das Ziel von Numenera an (s.o.). Gerade Spieler von regellastigen Systemen wie Shadowrun, D&D oder DSA tendieren eventuell dazu, viel Arbeit in die Optimierung ihrer Charaktere zu investieren. Dafür ist das Cypher System aber nicht wirklich konzipiert und das kann es aus meiner Sicht auch nicht sehr gut.

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